top of page
20260918_23h_Zwischenraum_1_Bojana_Dacic.jpg
20260918_23h_Zwischenraum_3_Bojana_Dacic.jpg
20260918_23h_Zwischenraum_2_Bojana_Dacic.jpg
20260916_23h_Zwischenraum_4_Bojana_Dacic.jpg
20260916_23h_Zwischenraum_5_Bojana_Dacic.jpg
20260916_23h_Zwischenraum_7_Bojana_Dacic.jpg
20260916_23h_Zwischenraum_6_Bojana_Dacic.jpg
20260918_23h_Zwischenraum_Installationsansicht_1_Bojana_Dacic.jpg

23h ZWISCHENRAUM

2026

Sieben Künstlerbücher

 

Kohle, Graphit, Buntstift, Aquarell, Tusche, Acryl, Pastell, Ölpastell und Pigmente auf Papier und Leinwand

 

je ca. 43 × 25 cm (geschlossen),

ca. 43 × 60 cm (geöffnet)

 

8.500 €

Zum Denken brauche ich Zeichnung. Erst wenn Kohle, Stift, Feder, Pinsel über eine Fläche gleiten, erscheint der Inhalt. Aufzeichnung erfolgt in konzentrierter Bewegung. Beobachten, sammeln, verbinden, Umwege, Zeit. Spuren folgen ohne deren Ziel zu kennen. Raum bauen für Widersprüche, die nebeneinander stehen und fragen ohne Antworten. Sehnsucht einen Gedanken zu fassen und ihn im Machen wieder zu verlieren. Die Qualität liegt im Sein zu sein, statt Realität zu durchdenken.

 

Material sind Texte - Auszüge aus Büchern, Artikeln, Notizen, Songs, Bemerkungen, Aussagen, Szenen - alles, was am Tag aufploppt und hängen bleibt. Nicht, was objektiv wichtig ist, sondern, was sich einprägt. Fragmente werden erfasst, dann kläre ich den Inhalt.

 

Diese wilde Sammlung startete Anfang 2025 unter „23h Zwischenraum”. Zuerst abends, oft nach den Nachrichten, später erweiterte es sich auf weitere Text- und Sprachformen. Das alles sind lediglich Auslöser.

 

Ich zeichne, um mich mit allen Sinnen an den Moment zu erinnern und gleichzeitig hat diese Erinnerung keine Bedeutung. Sie gehört zum Verfahren selbst. 

 

Das Buchformat schafft Raum und ermöglicht, Fragmente aneinanderzureihen. Es ist praktikabel: lässt sich in die Hand nehmen, aufstellen, öffnen, schließen, blättern, und bündelt lose Blätter. 

 

Bindung erzeugt hier Reihenfolge. Sie kann jederzeit aufgelöst werden, wenn es dem Aufbau dient. Fragmente, die ursprünglich keine Zugehörigkeit hatten, verhalten sich nun neu zueinander.

Text und Sprache haben Rhythmus - diesen wiederhole ich in der jeweiligen Intensität und Geschwindigkeit. Schrift und Lesbarkeit verändern sich durch diese Wiederholung. Sie verdichtet, überlagert und verliert sich. Meine Frage ist: Wie viel Eindeutigkeit und Intensität braucht es, um den Inhalt wahrzunehmen?

 

Ich erlaube dem Material, eigene Wege zu gehen und mich dadurch zu überraschen. Jeder Bearbeitungsschritt erfolgt als gewollte und provozierte Aktion, um selbst in Reaktion zu kommen. Alles ist prozessoffen.

 

Blätter werden immer wieder bearbeitet - übermalt, beschrieben, gefaltet, durchstochen, genäht, geklebt, gerissen, zerschnitten - und immer wieder neu zusammengesetzt. Nichts Fertiges ist endgültig: Durch Zerschneiden, Trennen und erneutes Zusammensetzen entstehen andere Beziehungen zwischen Fragmenten, und ich weiß vorher nicht, was ich dabei entdecke. 

 

Mit dieser Arbeit kultiviere ich das Wilde in seiner Wildheit. Die Seiten sind Träger von Spuren. Anordnung entwickelt sich aus den Beziehungen zueinander. Alle sieben Bücher sind Unikate und ausschließlich aus eigenem Material wie Zeichnung, Malerei und Druck entstanden. 

 

Innerhalb der Bücher bewegen sich Linien als Schrift, irgendwann wird Schrift im Grunde, was sie
ist - eine Linie. 

Bei Idris Khan interessiert mich die Überlagerung und Verdichtung von Text und Schrift durch Wiederholung. Meine Textauswahl ist eine andere. 

Zu Hanne Darboven besteht ein Bezug über das wiederholte Schreiben, allerdings ohne ihr  regelbasiertes mathematisches System.

 

 

Kunsthistorische Bezüge

Bei Cy Twombly interessiert mich das Verhältnis von Schrift, Linie und malerischer Geste.

Bei William Kentridge ist es die Zeichnung als Denk- und Arbeitsraum und das Sichtbarbleiben des Prozesses.

Anna Oppermann ist für mich durch die offene, wachsende Struktur ihrer Ensembles und das Sammeln und Neuordnen unterschiedlicher Fragmente relevant.

bottom of page